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Diskussion

Rausschmeißen? Ansprechen? Wegschauen?

Über den richtigen Umgang mit Extremismus im Bereich Kita und Grundschule

  • Kati Becker (Koordinatorin der Berliner Registerstellen zur Erfassung rechter, rassistischer, antisemitischer, lgbtiq*feindlicher und sozialdarwinistischer Vorfälle in Berlin)
  • Dr. Bettina Doering
  • Wolfgang Freter (Niedersächsischer Verfassungsschutz)
  • Claudia Schanz (Niedersächsisches Kultusministerium)
  • Pastor Wilfried Manneke (Netzwerk Südheide)
  • Moderation: Kai Thomsen, Gerd Janke

Kati Becker
ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet als Koordinatorin der Berliner Registerstellen zur Erfassung rechter, rassistischer, antisemitischer, lgbtiq*feindlicher und sozialdarwinistischer Vorfälle in Berlin. Von 2007 bis 2015 hat sie im Zentrum für Demokratie Treptow-Köpenick gearbeitet, dort den Lokalen Aktionsplan Schöneweide koordiniert und diverse Projekte umgesetzt, um fest verankerte, extrem rechte Strukturen in dem Berliner Ortsteil zurückzudrängen. Seit 2015 ist sie beim Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt als Projektmitarbeiterin angestellt.

Wilfried Manneke
ist Pastor der evangelischen Friedenskirche in Unterlüß im Landkreis Celle.
Er engagiert sich seit Jahren mit Aktionen des Netzwerkes Südheide gegen Rassismus und Rechtsextremismus.

 

Systemisch-interkulturelle Prävention

SIP 3

Systemisch

Wir arbeiten aus Überzeugung systemisch. Unter Berücksichtigung des Umfeldes, der relevanten Akteure und der Kontexte arbeiten wir an Veränderungsprozessen. Durch das Denken in zirkulären Wechselwirkungen generieren wir neue Ideen und potentielle Lösungen, um auf diese Weise Wahlmöglichkeiten zu erhöhen. Auf der Grundlage des Konstruktivismus und der systemischen Haltung von Neugier, Neutralität und Wertschätzung arbeiten wir dazu ressourcen- und lösungsorientiert. Wir glauben an die Einzigartigkeit des Menschen und gehen schon deshalb keine vorgebauten Wege, sondern sehen uns als Unterstützer, in der eigenen Lösungsfindung, passend zum System vor Ort. Dadurch ist jeder Beratungsprozess individuell. Lediglich unsere systemische Grundhaltung bleibt gleich. In der systemischen Beratung schreiben wir der Kooperations- und Beziehungsorientierung eine hohe Bedeutung zu.

„Die wirkliche Wirklichkeit kann auch ganz anders sein. Wirklich!

Interkulturell

Da jeder Mensch eine einzigartige Persönlichkeit darstellt, definieren wir eine interpersonelle Kommunikation der einzigartigen „Systeme“ als interkulturell. Wir verstehen Kultur als die gewählte oder gelernte Strategie zur Daseinsbewältigung. Kultur nehmen wir als ein komplexes und dynamisches System war, welches das Verhalten des Menschen beeinflusst. Dieses Verhalten ist veränderbar und wählbar. Allerdings kann nur jeder für sich selbst entscheiden, in welchem Rahmen dies geschehen soll. Durch unsere diversitätsbewusste Grundhaltung wollen wir auf Unterschiedlichkeiten aufmerksam machen, diese wertschätzen und darauf Rücksicht nehmen. Im besten Fall können neue, gemeinsame Vorstellungen, Rahmenbedingungen und Berührungspunkte konstruiert oder sichtbar gemacht werden, damit möglicherweise etwas Neues, Gemeinsames entstehen kann (Transkulturalität).

„Worttrennung: in|ter|kul|tu|rell Bedeutungsübersicht: die Beziehungen zwischen verschiedenen Kulturen betreffend; verschiedene Kulturen umfassend, verbindend."1
1Vgl. http://www.duden.de/rechtschreibung/interkulturell

Prävention

Durch die Einladung die Perspektive zu wechseln und Verständnis für das Gegenüber aufzubauen, kann Diskriminierung, Ausgrenzung, Rassismus und Gewalt verhindert werden. Wenn das „Fremde“ nicht mehr fremd ist, sondern als etwas Ergänzendes und Bereicherndes wahrgenommen werden kann, sind aus unserer Sicht bereits wertvolle und entscheidende Schritte im Bereich Prävention gegangen.  Dabei geht es nicht um eine assimilierende Haltung, sondern um respektvolle Neugier im Bezug zur Andersartigkeit. Hierzu benutzen wir verschiedene systemische Methoden, um nicht nur das „Fremde“ beim anderen, sondern auch das eigene „Fremde“ wahrzunehmen. Präventionsarbeit knüpft an der Möglichkeit zur Veränderung an, um somit unerwünschte Ereignisse oder Zustände abzuwenden. Wir vertreten die Hypothese, dass diese Art der Prävention am besten, wie oben beschrieben, systemisch-interkulturell gelingen kann.

Der Projektträger

cd k logo schwarz

Die CD‐Kaserne Celle ist eine gemeinnützige, kommunale GmbH mit den Schwerpunktaufgaben Kinder‐, Jugend‐ und Kulturarbeit. In der offenen Jugend‐ und Projektarbeit praktiziert sie seit über 10 Jahren einen ganzheitlichen, klienten‐ und lebensweltorientierten Präventionsansatz. Die offene Jugendarbeit mit dem Auftrag der Integrationsarbeit, hat seit 2004 einen Modelcharakter und ist mit den lokalen Strukturen und örtlichen Gegebenheiten einmalig.
Die CD‐Kaserne veranstaltet darüber hinaus Projekte im präventiven Bereich. Hier sind insbesondere die Wochen gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu nennen, in deren Rahmen die Einrichtung mit vielen Trägern aus Celle und Umgebung kooperiert. 2016 wurde durch die CD‐Kaserne erstmalig ein bundesweit wirkendes Projekt zum Thema Rassismus und Rechtsextremismus auf den Weg gebracht: Eine Wanderausstellung unter der Schirmherrschaft der Kultusministerin Frauke Heiligenstadt.
Durch das Großprojekt "Ich bin stark!" mit ca. 900 beteiligten Kindern, das von der CD-Kaserne entwickelt und seit 12 Jahren erfolgreich alle zwei Jahre umgesetzt wird, wurde der Bedarf für das nun vorgestellte Projekt weiterhin sichtbar. Eltern, Lehrer_innen, Systemiker_innen, Pädagog_innen und Erziehungswissenschaftler_innen bestätigten den dringenden Bedarf von neuen praxisorientierten, systemisch-interkulturellen Präventionsmethoden und Ansätzen.

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